Sonntag, 18. Juli 2010

neunter tag

Was war dass denn für ein geiler tag heute. Sorry, ich muss mich leider so ausdrücken ;-) Heute vormittag hat uns nuncia (eine deutsch-italienerin, capoeirista) verheiratet mit mestre macaco aus salvador, mit zum bruder von mestre ratto genommen. Manni, yvonne und ich haben uns sehr gefreut auch noch andere eindrücke zu bekommen. ricardo wohnt ausserhalb von fortaleza in einer „favela“ (das wort tausche ich im weiteren text gegen gemeinde aus) und arbeitet und betreut mit seiner familie die kinder aus der gemeinde. In dem projekt unterrichtet maxwell capoeira, es gibt puppentheater und viele weitere aktivitäten. Felipe, janderson und seanne kommen genau von da und so konnten wir in echt erleben, wie sie leben. Nuncia hat schon viel energie in das projekt gesteckt wenn sie in brasilien ist, ebenso florian und elena. Bei jedem ihrer besuche versucht sie einen meilenstein weiter umzusetzen. Es gibt einen überdachten betonboden für capoeiraunterricht. Ein wc mit dusche, eine küche für die versorgung der kinder und das haus der familie. Als wir ankamen, bastelten die kinder und jugendliche gerade an ihren fingerpuppen die sie für ihre vorführung heute abend brauchen. Janderson und carol, zwei bekannte gesichter, schauten uns verwundert an. Sie haben nicht mit uns gerechnet. Ricardo hat ein wenig über die geschichte der gemeinde, seine gründung und sein mitwirken daran erzählt und fotos gezeigt. nuncia führte uns durch die räume und erzählte auch ihre entstehung und am ende sind wir noch durch die gemeinde und ricardo meinte: „ hier gibt es auch viel geistige armut“. Teilweise sind die bewohner der gemeinde noch nie in der stadt fortaleza, geschweige denn am meer gewesen. Es gibt wirklich menschen die die gemeinde noch nie verlassen haben. Was muss das für ein kulturschock unserer berlinbesucher letztes jahr gewesen sein? Ich bin froh, heute einen kleinen eindruck der projektaussenstelle bekommen zu haben und mestre ratto unterstützt und finanziert die aussenstelle mit den einnahmen von der capoeiraschule. Janderson brachte uns zur bushaltestelle und wartete mit uns bis der bus kam. In der zeit wurden wir noch von einem bewohner der gemeinde angesprochen: „ob wir deutsche sind“ und „ nicht alle armen menschen sind gleich banditen“ und „ es ist ihm eine ehre und er möchte uns noch seinen sohn zeigen“. Dazu kam es leider nur von weit weg, da gerade der bus kam. Wir winkten den beiden schnell und herzlich zu und sprangen dann wie „auf ein galoppierendes pferd“ in den bus.
Zum mittagessen trafen wir uns alle wieder. Florian war mit einigen in der pension verblieben, der andere teil war mit elena beim capoeira und berimbaoworkshop. Aus der essensstation raus, vernahmen wir bekannte klänge… Hier wurde gleich in der nähe getrommelt… batucadagroove schwebte in der luft… gleich um die ecke probte eine große sambaschule von ca. 60-70 trommlern. Ich schätze 2/3 waren frauen, der rest männer, toll. Was für ein zufall! Wir sind in den veranstaltungsort rein und standen direkt in der tambourimfraktion. Shaker, surdos, snares und repeniques, alles dabei. Die cuica probten einen stock höher extra und waren nur in den pausen zu hören. Als ich den leiter bei den tambourims sah, wie er versuchte ihnen zu zeigen nicht zu schnell zu werden, dachte ich: das kenn ich genauso von manni, die gleichen gesten, das gleiche vorspielen. Kein unterschied. Ich hätte nie zu träumen gewagt in fortaleza eine sambaschule zu sehen und beim proben dabei sein zu können. Echt stark krass!
Nach einem luftigen nachmittag in der pension, ging es zum abend wieder runter zu agua de beber. Heute war der letzte offizelle festivaltag, der mit einem buntem abendprogramm enden sollte. Unten angekommen, fand noch der vortrag vom nachmittag, mit anschließender frage/antwortrunde, statt. Das fingerpuppentheater hatte schon aufgebaut und wir warteteten auf „unsere“ kinder der gemeinde, die uns wieder herzlichst begrüßten. Eine tolle vorstellung. Ich würde sagen in dem stück ging es um liebe, gewalt und natürlich capoeira. Am ende stellten sich die kinder noch namentlich vor und bekamen einen dicken applaus. Übergangslos spielte „cia bate palmas“. Ein bunter nordostmix mit forro, maracatu und afoxe, und wieder viele frauen in der band. Dann fand unser letzte auftritt statt. Die letzten capoeiristas die noch nicht ins bett gefallen sind, tanzten mit vega und felipe um die wette. Geschafft und glücklich vom schönen abend, saßen wir auf unserer terasse, quatschten, übten mit felipe deutsch und er mit uns portugiesisch. Es kommen so langsam unsere letzten tage in brasilien …

3 Kommentare:

  1. Liebe Sara, bei Deiner Post habe ich mich richtig mitgefreut mich Euch! Was für ein Glück, so etwas wie Ihr erleben zu können: mitten rein, die vielen kleinen Bemühungen und Erfolge dieser Projete zu sehen, auch sooooo viele Trommler zusammen - stark !!! Wir wären soooo gerne dabei gewesen - aber irgendwie sind wir es ja auch durch Deine lebhaften Berichte! Vielen Dank für diese Eindrücke - und bis bald wieder (für Euch leider, für uns hoffentlich) hier in Berlin! Sigrid

    AntwortenLöschen
  2. um grande abraco para todos !

    Favela ist vermutlich schon die richtige Bezeichnung, auch wenn es Strom, Wasser und eine Schule gibt. Als Gemeinde gibt es politische Gremien, einen Haushalt, Steuern, Feuerwehr u.a.
    Deshalb sind Initiativen wie Kulturgruppen und der Kulturaustausch auch so wertvoll, einer der wenigen Hoffnungsträger der Bewohner. Auch Lula kann an der Situation der armen Bevölkerung Brasiliens nur wenig verbessern. Euch weiterhin alles Gute.

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Sara und Manni, es hört sich richtig spannend an was ihr so erlebt und in eine Favela kommt man doch sicherlich auch nur mit der richtigen Begleitung, oder? Alles Gute noch!

    AntwortenLöschen